9+1 Fehler hinsichtlich RFID UHF in der Wäscherei

By Christian Wozabal / a few months ago
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UHF RFID Technologie als Chance!

Aus Fehlern lernen!

Die Wozabal Unternehmensgruppe war international ein Vorreiter in der Umsetzung von RFID Technologie

Wir haben viele Lernerfahrungen – sprich Fehler – selbst gemacht. Diese Lernerfahrungen habe ich in einem separatem Blog beschrieben.

Ich schreibe diesen Blog als vormaliger Unternehmer im Wäscherei Branche und als Unternehmensberater und nicht in meiner Funktion als Vertretung für Invengo. Die Aussagen sind daher herstellerunabhängig und sollen zur besseren Anwendung der Technologie in der Branche beitragen.

Arten den Blog zu konsumieren:

  • Das Video ansehen oder anhören - der Inhalt ist der gleiche wie im Blog. (VIDEO folgt noch 😉 )
  • Wenn es schnell gehen soll, einfach die Überschriften scannen und die entsprechenden Empfehlungen lesen oder
  • sich die Zeit nehmen und das Thema wirklich durchzudenken - dies ist meine Empfehlung, da es um wichtige strategische Entscheidungen geht.

Aktuelle Beobachtungen aus über 50 Betriebsbesuchen

In diesem Jahr habe ich über 50 Wäschereien im deutschsprachigen Raum und Europa besucht. Fast alle Unternehmer und Betriebsleiter sehen UHF RFID in der Wäscherei als zukunftsweisend.  Die Umsetzung ist allerdings in vielen Fällen noch unzureichend.

Die Pädagogin Maria Montessori hat den Satz geprägt „Der Fehler mein Freund“. Jeder Fehler, den man selbst oder jemand anders gemacht hat ist eine Möglichkeit sich zu verbessern. 

Also warum nicht von den Fehlern, die ich in meinem Wäscherei Unternehmen gemacht habe und den Fehlern anderer lernen?

In diesem Sinne möchte ich in diesem Blog die Fehler, die ich 2019 bei meinen Betriebsbesuchen gesehen habe aufzeigen und in einem separaten Blog meine eigenen Fehler mit RFID UHF Technologie.

... und wenn jemand anderer Meinung ist bitte ich um den Start einer Diskussion im Kommentarbereich dieses Blogs.

Nun zu den 9 Beobachtungen plus einem Bonus:

#1 Nicht zweckmässige Installation der UHF Arbeitsplätze

 ... insbesondere auf der reinen Seite.

Im Lean-Management ist mangelhafte Arbeitsplatzgestaltung eine der 7 Verschwendungsarten

Dies ist in der Wäscherei von großer Bedeutung, da die Arbeitsschritte hunderte und oft tausende male pro Tag manchmal sogar pro Stunde durchgeführt werden. 1-5 Sekunden zusätzliche Arbeit pro Arbeitsschritt summieren sich dann schnell zu erheblichen Mehrkosten.

Ich habe sehr wenige Installationen gesehen, die wirklich ergonomisch sind und die Arbeit der Mitarbeiter insbesondere im Expedit erleichtern und nicht verkomplizieren.

Beispiele für mangelhafte Ausführungen sind:

  • Antennen, die zu viel lesen: der Anwender muss sich mit dem Wäschestapel spielen, bis das richtige gelesen wird.
  • Arbeitsplätze, die nicht standardisiert sind: durch immer unterschiedliche Bedingungen (Entfernungen von Wäschestücken) kommt es zu unkontrollierten Fehllesungen
  • Umständliche Softwarelösung am Arbeitsplatz – Mitarbeiter müssen unnötig Eingaben tätigen.

Empfehlung

  • Den Arbeitsprozess bereits vor der Installation gut planen.
  • Professionelle Hardware installieren. Bei der Auswahl der Hard- und Software soll die Anwendbarkeit eine wesentliche Rolle spielen.
  • Verschwendungsübungen am installierten Arbeitsplatz durchführen. (Blog zum Thema folgt)

#2 Keine Überwachung der RFID Lesequalität

Oft können die Verantwortlichen nicht sofort sagen, wie hoch die aktuelle Lesequalität ist. Weiters wird oft die Lesequalität nicht ständig überwacht.

Gerade Lesestationen, die nicht an einem Arbeitsplatz sind (z.B. im Wäscheeingang) sind gefährdet mehrere Stunden nicht zu lesen, wenn z.B. die Reinigung das Kabel ausgesteckt hat.

Dies mag etwas banal klingen, aber wenn die Zuverlässigkeit des Systems nicht gewährleistet ist, dann ist die gesamte Umsetzung gefährdet!


Empfehlung

  • Alle Stationen müssen ständig überwacht werden, ob sie online sind. Die Software muss automatisch die Verantwortlichen benachrichtigen.
  • Keine Kompromisse hinsichtlich der Lesequalität zulassen. Selbst bei einfachen Installationen (z.B. auf einem Beladeband) sollen deutlich mehr als 95% erreicht werden und bei wichtigen Bereichen – wie bei der Lieferscheinerstellung – soll die Leserate defacto gegen 100% gehen.
  • Mitarbeiter und Führungskräfte hinsichtlich der Notwendigkeit einer guten permantenten Lesung sensibilisieren.

#3 Proprietäre RFID UHF Installationen

RFID UHF Gen2 ist ein weltweiter Standard. Grundsätzlich sollten daher die Antennen jeden Transponder lesen und beschreiben können.

Die Lesbarkeit einzelner Transponder kann allerdings etwas abweichen.

Ich habe Installationen gesehen, die extrem auf einen speziellen Transponder optimiert sind. Man legt sich dann auf einen Transponderhersteller fest.

Wenn eine Installation so stark auf einen Typ optimiert ist, kann eine etwas abweichende Anbringung der Transponder oder eine neue Generation Probleme verursachen.

Empfehlung

  • Eine Vielzahl von verschiedenen Transpondern auf den einzelnen Arbeitsstationen testen und eine möglichst breite Lesbarkeit sicherstellen.
  • Bei Antennen und Transpondern immer offen für Alternativen sein. Es gibt ständig Innovationen von einzelnen Herstellern.

#4 Keine Umsetzung von 100% Lieferscheinqualität

Die wenigsten Betriebe nutzen RFID UHF für eine deutliche Verbesserung der Lieferscheinqualität.

Oft werden mangelhafte Gateways mit deutlich unter 100% Lesequalität eingesetzt.

Damit wird die Chance verpasst erstmalig seit 500 Jahren korrekte Lieferscheine auszuliefern. Ein Meilenstein, den sich die Kunde auch erwartet.

Empfehlung

  • Mit einer Kabine im Expedit kann die Leserate auf 99,7% gehoben werden. (was noch zu wenig ist)
  • Die restlichen 0,3% können durch eine Addierung der Lesung bei der Paketbildung erreicht werden.
  • Alternativ kann man bei einem kundenbezogenen Prozess mit nahezu 100% Leserate direkt in den Container expedieren.

#5 Kunden bestellen trotz RFID noch immer

Deutlich weniger als die Hälfte der Betriebe, die bereits UHF einsetzen, verwenden dies auch für die Bestellung.  Dies ist aber ein enormes Potential.

Die Kunde ist unser größter Lieferant, wenn nun dieser Lieferant eine andere Menge bestellt als er liefert, dann muss der Betrieb enorm viel Wäsche bevorraten um halbwegs lieferfähig zu sein.

Aus der Distanz betrachtet ist unser Bestellsystem bei Mietwäsche eine "Mission impossible". Es ist praktisch unmöglich immer bei allen Artikeln lieferfähig zu sein. Dies führt dann zu noch höherer Lagerhaltung beim Kunden und das Problem schaukelt sich auf.

Zweck der UHF RFID Technologie ist es, dass man pünktlich mit nahezu 100% Vollständigkeit liefert.

Empfehlung

  • Die Vorteile der Technologie entfalten sich erst, wenn konsequent bei allen Kunden im Bestellprozess umgesetzt wird.
  • Parallel muss auch der Produktionsprozess oft noch weiter stabilisiert werden, da ein geringerer Umlaufbestand ansonsten Instabilitäten (Anlagenverfügbarkeit, Personalverfügbarkeit) aufdeckt.

#6 UHF Transponder werden nicht codiert

Hier gibt es sehr irreführende Aussagen in der Branche. Fakt ist, dass ALLE UHF Transponder beschreibbar sind! (man braucht nur das Passwort vom Lieferanten).

Unter Codierung (eng. "encoding"; beschreiben) versteht man die permanente Beschreibung des Transponders mit der Artikelnummer (SGTIN) des Textilservice Unternehmens. Diese Nummer besteht aus einer weltweit eindeutigen Nummer für das Textilservice Unternehmen, der Artikelnummer (=GTIN, vormals EAN) und der Serialnummer (="S" von SGTIN) des einzelnen Teiles.

Problemstellungen mit nicht codierten Transpondern:

  • Ohne Codierung der Artikelnummer auf den UHF Transponder ist keine Offline Bearbeitung möglich. Es gibt mehrere Anwendungsfälle für eine Offline-Erfassung (Inventur beim Kunden ohne WiFi oder Mobilfunkempfang, Kommunikation mit Faltmaschinen etc.).
  • Ein nachträgliches Codieren ist sehr aufwändig! In diesem Fall muss über Monate die gesamte Umlaufmenge codiert werden, bis nach 1-2 Jahren die letzten uncodierten Teile codiert sind.
  • Bei der Übernahme von Textilien von einer anderen Wäscherei kann es zu Dubletten kommen – der SUPER GAU!
  • Manche Hersteller verwenden ihre eigene GTIN für den Transponder – dies ist ein Missbrauch des Systems von GS1, der so nicht vorgesehen und auch rechtlich problematisch ist.
  • Weiters verwenden aktuell viele Hersteller eigene Nummernkreise. Ein Wechsel zu einem anderen Transponderhersteller wird somit sehr aufwändig und riskant.

Genau um dieses Thema in der Branche zu lösen findet aktuell (Stand November 2019) ein Arbeitskreis Digitalisierung bei der DTV statt. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit wird die Codierung des Transponders mit einer SGTIN empfohlen.


Empfehlung

  • Codierung der einzelnen Teile mit der SGTIN bringt Sicherheit gegen Dubletten und ermöglicht die vielen Möglichkeiten der Offline Nutzung der Technologie.
  • Die Entwicklung im Arbeitskreis Digitalisierung beim DTV verfolgen. – ich werde dies auch in Blogs immer wieder zusammenfassen.

#7 Unzureichende Software für UHF

Viele Softwareinstallationen verfügen zwar über RFID UHF Module sind aber oft von der schieren Menge an Daten überfordert, ermöglichen nicht die Transparenz die möglich ist und haben durch einen Rucksack an 75.000 bisherigen Prozessabläufen eine intuitive Bedienung für den Anwender.

Ich hatte einmal den Luxus einen Tesla zu fahren. Der Unterschied zwischen Tesla als Elektroauto und anderen Modellen ist, dass Tesla von Grund auf für diesen Zweck konzipiert wurde und nicht den Balast des Designs von Verbrennungsmotoren mitschleppte. Ich öffnete vor ein paar Jahren die Motorhaube des Renault Zoe und man sieht, dass hauptsächlich nur die Art des Motors ausgetauscht wurde.

Das gleiche passiert bei der Wäschereisoftware. Die Prozesse können mit UHF Technologie. Einerseits können die Prozesse mit RFID deutlich vereinfacht werden und andererseits gibt es wichtige zusätzliche Anforderungen, die oft nicht erfüllt werden.

Mängel in einigen bestehender Software-Applikationen sind u.a.:

  • Zu komplexe Bedienoberflächen, die die Anwendung unnötig verkomplizieren,
  • Unzureichende Leistung der Datenbank um die enorme zusätzliche Datenmenge zu verwalten,
  • Keine Visualisierung der Daten nach dem Stand der Technik
  • Mangelhafte Unterstützung von wichtigen neuen Prozessen (z.B. Codierung von Transpondern, Wareneingang, Lieferscheinkontrolle, Packetbildung)

Empfehlung

  • Ein gut funktionierender RFID Prozess benötigt eine sehr gut auf die neuen Anforderungen abgestimmte Software.
  • Die wichtigsten Geschäftsprozesse müssen in einem Pflichtenheft definiert werden.

#8 UHF einfach auf bestehende Prozesse aufsetzen

RFID UHF einfach im gleichen Ablauf mit Antennen im Wäscheeingang und im Expedit einzusetzen bewirkt, dass nur ein kleiner Teil des Potentials genutzt wird.

Fakt ist, dass zumindest in bei Mietwäschern, die im Pool arbeiten enorm viel Wäschekapital den Betrieb anfüllt.

Hohe Lagerbestände verursachen auch wesentliche Folgekosten:

  • Erhöhter Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter, da Wege oft durch Container verstellt sind.
  • Wäsche, die sich nicht dreht verstaubt,
  • Überhöhte Bestände führen zu hohen Abschreibungen, wenn ein Artikel aufgelassen wird.
  • Mehr Platzbedarf in der Produktion und damit verbunden auch längere Transportwege
  • Mehraufwand um die Ordnung im Betrieb zu wahren
  • uvm, da Überproduktion die "Mutter der Verschwendung" ist.

Mit UHF Technologie kann der Bestand in der Produktion deutlich gesenkt und trotzdem die Lieferfähigkeit erhöht werden.

Empfehlung

  • Ein Umdenken ist notwendig! Man darf sich in diesem Fall ein Beilspiel an den bestehenden Prozessen für Berufskleidung und Lohnwäsche nehmen.
  • Eine Inventur der bestehenden Wäsche in der Produktion durchführen um das Ausmaß der Problematik zu dokumentieren.
  • Im Projekt auch Ziele für die Durchlaufzeit bzw. die Bestände in der Produktion setzen.
  • Neben dem Einführungsprojekt auch eine schrittweise Umstellung der Abläufe in der Produktion durchführen.

#9 Kunden wird trotz RFID kein Schwund verrechnet

Im Gegensatz zur Mietberufskleidung wird von den meisten Wäschereien der Schwund an Textilien nicht oder nicht vollständig verrechnet. Viele Kunden erachten dies jetzt auch als ersessenes Recht.

Mängel bei der Einführung von RFID UHF Technologie bergen das Risiko, dass Kunden verunsichert werden.

Das Potential für die Schwundverrechung beträgt zwischen 1-5% des Umsatzes und ist daher ein wesentlicher Faktor!

Die Erfahrung zeigt, dass bei einer professionellen Einführung der Großteil der Kunden dafür Verständnis hat. Aber natürlich ist die Umsetzung beim Kunden auch eine mittelfristige Maßnahme.

Empfehlung

  • Auf sehr hohe Prozesssicherheit bei der UHF Einführung achten, damit Kunden und Mitarbeiter nicht verunsichert werden.
  • Klare Maßnahmen setzen um die Schwundverrechnung konsequent umzusetzen.
  • Wenn nötig eine Rollentrennung zwischen Administration des Wäschebestandes und Kundenbetreuung/Verkauf umsetzen. (Analog zum Mahnwesen, dass auch besser durch den Innendienst oder die Buchhaltung durchgeführt wird.)

BONUS:  UHF RFID wird nicht als Basis für ein neues Geschäftsmodell genutzt

Nur sehr wenige Wäschereien setzen RFID UHF als Basis für ein neues Geschäftsmodell ein.

Neben der bereits erwähnten Verbesserungen (Kunde braucht nicht zu bestellen, korrekte Lieferscheine, mehr Transparenz, Schwundverrechnung) gibt es neue Möglichkeiten im Marketing.

Bei der Mietberufskleidung werden hunderte und tausende verschiedene Artikel und Artikelgrößen verwaltet und ohne wesentliche Probleme als Dienstleistung angeboten.

UHF RFID bietet neue Möglichkeiten in der Verrechnung, Vertragsgestaltung und Zusammensetzung des Artikelstammes. Der Unterschied ist mindestens so groß wie zwischen Lohnwäsche und Mietwäsche.

Es ist ähnlich wie bei den Fluglinien, die vor 20 Jahren noch starre Preise hatten. Jetzt ist die flexible Preisgestaltung und der Verkauf von Zusatznutzen bereits Standard bei den Airlines. Wenn eine Fluglinie aber keine scheinbar günstigen Preise anbieten könnte, dann wäre sie heute nicht mehr im Geschäft.

Wenn man dies nicht durchdenkt, dann kann es sein, dass man eines Tages sehr alt gegenüber einem Mitbewerber dasteht, der die Technologie nutzt um eine moderne Dienstleistung anzubieten.

Die Gefahr ist in der Wäschereibranche noch größer als in anderen Industrien, da die Umstellungsphase bei einem Poolprozess mehrere Jahre dauern kann. Wenn man vom Mitbewerb auf dem linken Fuß erwischt wird, kann es zu spät sein.

Empfehlung

  • UHF RFID nicht nur als Einzelteilverfolgung, sondern auch als Basis für ein Geschäftsmodell betrachten.
  • Rechtzeitig strategische Entscheidungen treffen und zum Beispiel mit dem Einkauf von gechippten Textilien nicht zu lange warten.
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About the author

Christian Wozabal

Über 25 Jahre Branchenerfahrung im Textilservice, davon 10 Jahre in Gesamtverantwortung für 7 Betriebe und 1.100 Mitarbeiter. Besondere Kenntnisse in Strategie, Marketing und Leanmanagement.


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